Synthesizer-Meilenstein: Korg DW-6000

Mitte der 80er Jahre erwachte ein digitales Zeitalter. Spätestens mit Einführung der Compact Disk war der digitale Siegeszug nicht mehr aufzuhalten. Im Synthesizer-Bereich war es eine kostspielige …

Quelle: Synthesizer-Meilenstein: Korg DW-6000

Synthesizer-Meilenstein: Korg DW-6000

Mitte der 80er Jahre erwachte ein digitales Zeitalter. Spätestens mit Einführung der Compact Disk war der digitale Siegeszug nicht mehr aufzuhalten.

Korg DW-600 - Foto: Riewenherm

Korg DW-600 – Foto: Riewenherm

Im Synthesizer-Bereich war es eine kostspielige Technologie, aber auch glamourös und edel. Man denke allein an Legenden wie den Fairlight, das Synclavier oder die blauen Zauberkisten von PPG. Bei Preisen in Größenordnungen von Mittelklassewagen bis Eigentumswohnungen (ein Fairlight CMI kostete Ende der 70er gut eine viertel Million Dollar) war das für den begeisterten Durchschnittsmusiker allerdings kaum mehr als ein feuchter Traum.

Korgs Digitalisierungs-Offensive

Aber das Wort “digital” wurde wichtig und verkaufsfördernd.

Mit dem DW-6000 brachte Korg 1984 entsprechend seinen ersten zumindest in Teilen digitalen Synthesizer heraus. Mit knapp über 3000 DM lag er damals preislich im Mittelfeld. Heute bezeichnet man ihn als Hybriden, denn die Wellenformen sind digital, der restliche Signalweg ist analog (was heute wiederum ein Verkaufsargument wäre).

1984 wurde es digital: Korg bringt den DW-6000 mit digitalen Wellenformen - Foto: Riewenherm

1984 wurde es digital: Korg bringt den DW-6000 mit digitalen Wellenformen – Foto: Riewenherm

Streng genommen hatten schon die Vorgänger digital gesteuerte Oszillatoren. Neu beim DW-6000 war aber, dass diese nicht einfache Grundwellenformen lieferten, wie Sinus, Rechteck, Sägezahn und Co., sondern recht komplexe Wellenformen als one-cycle-Samples – also ein Wellenformausschlag von einem Nulldurchgang zum nächsten. Das war neu und klang wirklich digital.

Entsprechend unterscheidet sich der Klangcharakter deutlich von dem seiner Ahnen. Die Wellenformen klingen komplex, filigran und – das muss man auch sagen – dünner  als ihre analogen Vorgänger. Genau das wurde aber auch erwartet, und der Klangeindruck war wirklich neu.

Keep it simple

Aufdruck statt Display: Die Parameterliste des DW-6000 - Foto: Riewenherm

Aufdruck statt Display: Die Parameterliste des DW-6000 – Foto: Riewenherm

Die Klangformung selbst geschieht dann intern aber klassisch substraktiv. Das heißt:  Pro Stimme gibt es zwei Oszillatoren (plus weißes Rauschen bei Bedarf), eine Lautstärke-Hüllkurve, eine Filterhüllkurve, einen analogen Tiefpassfilter mit Resonanz (kann auch richtig dreckig!) und einen LFO, der die Oszillatoren oder den Filter modulieren kann. Effekte spendierte Korg aber erst dem Nachfolger DW-8000. Beim DW-6000 musste man sich mit einem einfachen Chorus zufrieden geben.

Die Klangparameter sind also überschaubar. Das ist auch gut so, denn die Programmierung von Klängen ist leider gar nicht analog. Jeder Parameter hatte eine Nummer, die man anwählen konnte und ein Value, das man immerhin mit einem Schieberegler einstellen konnte. Jedoch hatten diese Parameter nur 31 oder 63 Abstufungen. Entsprechend ist die Zahl der mit dem DW-6000 kreierbaren Sounds durchaus im endlichen Bereich angesiedelt.

Entsprechend “übersichtlich” ist auch das Bedien-Panel. Es gibt acht Zifferntasten, mit dem sich wahlweise eins der 64 Programme oder einer der Soundparameter anwählen lässt, ein paar weitere Taster für up/down, Bank hold, Write, usw.. Darüber hinaus drei zweistellige 7-Segment-Anzeigen: Eine für den gewählten Klang-Parameter, einer für das gewählte Programm und einer für das eingestellte Parameter-Value.

Am wichtigsten ist aber die aufgedruckte Parameter-Liste. Hier sehe ich, welcher Klangparameter welche Kennziffer hat. Das kennt man ja schon vom Poly 800 oder Poly 61.

Tasten statt Drehregler

Die Hardware ist ansonsten recht unspektakulär. Eingepackt ist die neue Hybrid-Technik in ein für die Zeit recht modernes und großes Kunststoffgehäuse, das sich auch heute noch nett macht. Das 61-Tasten-Keyboard spielt sich gut, ist aber simpelst. Keine Anschlagdynamik, kein Aftertouch. Auch das blieb den Nachfolgern vorbehalten.

Digitales fürs Ohr

Und wie klingt der DW-6000 nun? Es ist interessant, denn das Instrument ist für mich ein wenig emotional aufgeladen, da ich mir den Synthesizer damals als Schüler absolut nicht leisten konnte, aber dennoch dem Musikhaus meines Vertrauens mächtig auf die Nerven ging, alles ausgiebig anzutesten.

Sachlich betrachtet ist der Klang des DW-6000 einfach, eher etwas kühl und trotz der analogen Signalkette recht digital. Von den Klangspektakeln eines D-50 oder M1 ist er weit entfernt, klingt aber trotzdem “moderner” als seine Vorgänger.

Man hört ihm deutlich an, dass er an der Schwelle zum echten Digitalsynthesizer steht. Er ist aber noch kein Allrounder. So sind weder Natursounds, noch fette analoge Klänge seine Spezialität. irgendwas dazwischen. Immerhin sind neue Klänge schnell programmiert.

Synthie-Bläser und nette Pads funktionieren gut – besonders (oder vielleicht nur?), wenn man noch ein Effektgerät zwischenschaltet.

Fette Bässe gelingen dagegen weniger – und für E-Piano-Sounds ist die 6-stimmige Polyphonie etwas zu knapp bemessen.

Sammlungswürdiger Youngtimer

Auf jeden Fall ist der DW-6000 eine schöne, nostalgische Ergänzung in einem Sammler-Setup. Zwar ist der DW-8000 deutlich besser (auch teurer), aber der 6000er ist nun mal der Meilenstein. Er markiert einen interessanten Wendepunkt vom klassisch-analogen Synthesizer in eine digitale Welt, in der später selbst die substraktive Synthese eine Auszeit nehmen durfte. Die Technologie mit den “Micro-Samples” sollte man später noch häufig wiederfinden. Und auf Filter verzichteten einige Hersteller später sogar ganz (zumindest kurzzeitig).

Auf dem Gebrauchtmarkt muss man allerdings mittlerweile gut aufpassen, da die Elektronik dieser alten Geräte nicht unsterblich ist. Idealerweise sollte man einen Gebraucht-Kandidaten sehr genau prüfen – also wirklich jeden einzelnen Knopf und nach Möglichkeit jede Editierfunktion. Und selbst dann ist man nicht davor sicher, dass der Klassiker von einem Tag auf den anderen macht, was er will. Dieses Risiko ist allerdings für alle Synthesizer mit diesem Alter typisch und schwer zu vermeiden.

 

DW-6000 – Technische Daten

Klangerzeugung: Korg DWGS (Digital Waveform Generator System)

Polyphonie: 6-stimmig

Oszillatoren: 2 x DWGS pro Stimme

LFO: 1

Filter: 24 dB Tiefpass VCF

Speicherplätze: 64

Effekte: Chorus

Tastatur: 61 Tasten, nicht anschlagdynamisch, kein Aftertouch, Joystick

MIDI: ja, IN/OUT/THRU, nicht multi-timbral

 

Nicht verrückt genug – eine Polemik

Es ist so bitter. Seit dem Ableben von Steve Jobs ist es in der Tech-Welt tödlich langweilig geworden. Die Sogwirkung der bahnbrechenden Apple-Innovationen ist dahin.

Was bleibt? Verbesserungen bestehender Produkte – wie sich die Technik eben entwickelt.

Smartphones sind schneller geworden, haben größere. hellere und geradezu bizarr hoch auflösende Displays. Teilweise mehr als 500 dpi… können wir uns demnächst alte Mikrofilme auf unseren Smartphones ansehen?

Aber wo sind die großen “one more thing”s? Ich weiß es nicht. Stattdessen gibt es tausende von “more things”. Z.B. Emojis.

Das ist nicht euer Ernst, oder?

Gerade habe ich mein Nexus 6 auf Android Nougat aktualisiert. Und was ist eine der wesentlichen Neuerungen? Zig neue Emojis. Wie bitte?? Ganz abgesehen, dass ich nicht verstehe, wieso dafür ein Betriebssystem-Major-Release erforderlich ist…

Und Apple ist da nicht besser. Was gab es Neues auf der letzten großen Verkaufsshow in San Francisco? Pokemons mit der Apple Watch jagen? Super Mario spielen? Und auch neue Emojis und digitale Knallbonbons im Messenger?

Für solche Innovationen brauche ich überzüchtete Akkus, die mein Handy zur potentiellen Sprengfalle machen? Und drahtloses Laden? Das konnte meine elektrische Zahnbürste schon vor 20 Jahren!

Wo bleibt der Erfindergeist? Scheinbar geht es nur noch um das schnelle Geld. Künstlich verkürzte Innovationszyklen, um den Leuten noch schneller das Geld aus der Tasche zu ziehen. Features, die keine braucht und keiner bestellt hat. Oder künstlich ausgebremste Innovation, wie im Falle der Elektro-Mobilität.

Ich werde den Eindruck nicht los, als würde nur noch “erfunden” und “entwickelt”, um sich schnellstmöglich an irgendwelche gierigen Investoren zu verkaufen. Nicht mehr, weil man wirklich etwas zum Fortschritt beitragen will, sondern um so schnell wie möglich Kohle zu “generieren”.

Angedeutet hat sich das schon früher. Eigentlich waren Aktien mal als Firmenbeteiligungen gedacht, wenn man von einer Geschäftsidee überzeugt war und um sich an einem Unternehmen konstruktiv zu beteiligen. Wer heute so denkt, wird ausgelacht und verliert. Aktien sind Spielkarten in einem riesigen Zockerparadies.

Kein Wunder, dass es immer weniger Bekloppte gibt, die wirklich etwas vorantreiben wollen oder/und können. Bittere Wahrheit: Apple hatte recht mit der Aussage ihrer “Think different”-Kampagne:

“Because the people who are crazy enough to think they can change the world, are the ones who do.”

So verrückt ist heute niemand mehr.

Ich bitte um überzeugenden Widerspruch!

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