Tablet-Urahnen: Apple Newton MessagePads

In den frühen 90er Jahren entwickelte Apple sein erstes Betriebssystem für mobile Endgeräte mit dem Namen „Newton“ und stellte die legendären Newton MessagePads vor.

Siemens Notephone, Apple Newton 100 und Newton 130 (Foto: Riewenherm)

Siemens Notephone, Apple Newton 100 und Newton 130 (Foto: Riewenherm)

1993 war das Message Pad 100 der erste Handheld-Computer mit einer außergewöhnlich intelligenten Handschrifterkennung. Diese war in der Lage, die Handschrift des Benutzers regelrecht zu lernen. Man musste also nicht selbst üben, so zu schreiben, dass der Computer es versteht, sondern das MessagePad übte und lernte aus allen Verbesserungen, die der Anwender machte. Nach einiger Zeit konnte man so recht flüssig in der eigenen Handschrift schreiben, und das Pad setzte diese immer zuverlässiger in Druckbuchstaben um.
Hierbei handelte es sich um eine kombinierte Erkennung von einzelnen Buchstaben und ganzen Worten.

Dieser Lernprozess benötigte allerdings einige Eingewöhnung und verlangte vom Benutzer, dass er sich darauf einließ. Außerdem merkte man, dass die Rechenleistung Anfang der 90er für eine so anspruchsvolle Aufgabe noch recht bescheiden war. Das MessagePad 100 arbeitete mit einer Taktfrequenz von 20 MHz. Erst das MessagePad 2000 bekam ein gewaltiges Prozessor-Upgrade auf 161,9 MHz.

Die MessagePads verfügten über eine Grundausstattung nützlicher Standardsoftware, wie z.B. einem Terminkalender, einer Adresskartei und einem Notizblock. Die Datenbestände dieser Applikationen standen Systemübergreifend zu Verfügung.

Apple Newton 130 (Foto: Riewenherm)

Apple Newton 130 (Foto: Riewenherm)

Die Handschrifterkennung funktionierte in allen Bereichen. Es gab aber auch die Möglichkeit, Handschrift wirklich Handschrift sein zu lassen. Dann ordnete das Pad die Worte nur der jeweiligen Zeile zu.
Darüber hinaus gab es auch eine Erkennung von grafischen Mustern. Zeichnete man beispielsweise einen Kreis, ein Dreieck oder ein Viereck, wurde die Form erkannt und in eine glatte Vektorgrafik umgesetzt. Diese ließ sich danach frei skalieren, zerren und verschieben. Zusätzlich gab es natürlich die unvermeidliche Bildschirmtastatur.

Als Bildschirm kam ein monochromer Touchscreen mit einer Auflösung von 336 x 320 Pixeln zum Einsatz. In späteren Modellen (ab dem MessagePad 2000) erhöhte sich die Auflösung auf 480 x 320 Pixel, und es gab obendrein 16 Graustufen.

Apple Newton MessagePad 100 (Foto: Riewenherm)

Apple Newton MessagePad 100 (Foto: Riewenherm)

Kommunikation nach außen war auf vielen Wegen möglich: Zum einen über eine Infrarot-Schnittstelle von einem Newton zum anderen, mittels einer seriellen Schnittstelle, über ein daran anschließbares Faxmoden via Fax oder DFÜ (Internet gab’s noch nicht) oder über eine optionale Speicherkarte.

Neben den verschiedenen Apple-Modellen gab es auch von anderen Herstellern Lösungen auf Newton-Basis, wie dieses „NotePhone“ von Siemens, das Telefon, Messagepad und Faxmodem in einer Einheit integrierte.

Über die Jahre zeigte sich jedoch, dass Apple mit dieser Technologie zu früh war. Die Geschwindigkeit der Hardware war noch nicht ausreichend, die Geräte zu groß, zu schwer und zu teuer. Zudem stellten Handspring und Palm mit ihren PDAs eine massive Konkurrenz dar.
Apple versuchte noch mit dem eMate, einem Newton mit Tastatur im Notebook-Look auf dem Bildungsmarkt Fuß zu fassen. Mit der Rückkehr von Steve Jobs wurde 1998 die gesamte Newton-Plattform aber schlagartig in die Geschichtsbücher verbannt.

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