Die Billig-Tablets kommen: Das Zenithink E-Pad

Die allgemein ausgebrochene Tablet-Euphorie treibt lustige Blüten. Apple hat vorgemacht, wie man mit richtiger Vorbereitung einen Tablet-Computer sensationell erfolgreich am Markt platzieren kann. – Darauf haben alle gewartet!

Das E-Pad von Zenithink (oben) ähnelt seinem Vorbild von Apple sehr (Foto: Riewenherm)

Das E-Pad von Zenithink (oben) ähnelt seinem Vorbild von Apple sehr (Foto: Riewenherm)

Jetzt kommen die Mitbewerber. Die großen und „seriösen“ sind erstaunlich zurückhaltend – lassen sich (bis auf die WeTab-Pleite) viel Zeit und kommen schließlich mit Geräten, die unerwartet unaufregend und vergleichsweise teuer sind.

Anders der durchgeknallte Markt der chinesischen Billighersteller. Diese fallen sowieso einerseits durch recht dreiste Ideen-Übernahme, aber auch durch trashige Qualität auf. Darum sind sie so ohne Weiteres am deutschen Markt auch nicht verfügbar. Aber sie sind billig. Und das könnte ein kleines Import-Abenteuer lohnend machen. 139,99 Euro plus Versand und Einfuhrumsatzsteuer klingen verlockend.

Ich habe es gewagt und mir direkt aus China ein Zenithink E-Pad bestellt. Dabei war das dann doch nicht so kompliziert. Der Händler hatte eine deutschsprachige Internetpräsenz und ist mit einem deutschen Forum für China-Telefone gekoppelt. (chinamobiles.org)

Also bestellt. Bezahlt per Paypal – dann beginnt das Warten.

Die wichtigsten technischen Eckdaten:

  • Das Tablet verfügt über einen 10″-Touchscreen, der druckempfindlich und nicht multitouchfähig ist.
  • Verbaut ist ein 1 GHz Prozessor, über dessen Herkunft sich der Hersteller ausschweigt. Weiter an Bord sind 256 MB RAM und 2 GB interner Speicher. Dieser ist über eine MicroSD-Karte erweiterbar.
  • Netzzugang gibt es über Wifi, Ethernet (echt!) oder (was ich nicht probieren konnte) USB-UMTS-Adapter.
  • Installiert ist die bereits auf Deutsch eingestellte Android-Version 2.1
  • All das wiegt ca. 600 Gramm.

Tatsächlich dauert es keine Woche, bis das DHL-Paket bei mir eintrifft. Die Einfuhrumsatzsteuer – das sollte man nicht vergessen – wurde gleich vom Paketboten kassiert. Und das Päckchen ist in meinen Händen.
Die Gesamtkosten summierten sich also folgendermaßen: 139,99 Euro für das Tablet, 29,99 Euro Versandkosten und auf die Summe noch einmal 19% Einfuhrumsatzsteuer (also 19% von 169,98 Euro – das sind 32,30 Euro). Summa summarum 202,28 Euro für ein 10″ Android-Tablet.

Jetzt beginnt die Auspackzeremonie, die ich gleich zum großen Interesse vieler User auf Youtube dokumentierte.

Dreist! Schon das vom Internet-Explorer bekannte „e“ auf der Verpackung würde eine Markteinführung in Deutschland erfolgreich verhindern.

Wer das iPad kenn, wird spätestens jetzt das erste Mal ernüchtert sein. Alles Plastik! beängstigende Spaltmaße – Auch wenn der optische Eindruck aus der Distanz etwas anderes vorgaukelt: Das E-Pad ist kein iPad.

Aufladen, einschalten… auch beim Startvorgang erscheint das Explorer-E auf dem Schirm – aber auch ein kleiner Linux-Tux. Dann kommt der lang erwartete Schriftzug: ANDROID
Der Bootvorgang dauert seine Zeit, liegt aber gefühlt nicht deutlich über dem des iPad.

Und da ist er – der Android-Desktop auf 10″. Gleich fällt auf, dass auch das Display nicht mit dem des Originals mithalten kann. Es ist erheblich dunkler und hat nur einen sehr eingeschränkten Blickwinkel, in dem das Bild vernünftig sichtbar ist.

Aber wie heist es so schön: „You get what you paid for“.

Der Touchscreen ist von seiner Bedienung dann aber doch eine positive Überraschung. Er ist zwar resistiv, reagiert also auf Druck und unterstützt kein Multitouch, ist aber doch erfreulich sensibel und präzise. Da war Schlimmeres zu befürchten.

Einige weitere Dinge, die der Androide eher auf der Haben-Seite verbuchen darf: Es gibt zwei USB-Anschlüsse – einen für Datenträger und einen zum Anschluss eines Rechners für Updates. Dann gibt es einen MicroSD-Cardslot für Wechsel-Datenträger. Es ist also kein lästiges Synchronisieren mit einem verknüpften Rechner nötig. Sehr schön!

Also geht es gleich ans Eingemachte. Ich lade via USB-Stick ein 720p HD-Video und staune nicht schlecht. Alles wirkt billig an diesem Tablett. Aber das Video läuft absolut flüssig und ruckelfrei. An der angegebenen Prozessortaktfrequenz von 1 GHz scheint also etwas dran zu sein.

Die Anbindung ans W-Lan-Netzwerk gestaltet sich problemlos. Die Empfangsleitung des E-Pad ist zwar nicht so prall – ich komme aber klar.

Spätestens beim Start des integrierten Web-Browsers merkt man, dass Android in dieser Version an Smartphone-OS ist. Er kann Safari auf dem iPad nicht wirklich das Wasser reichen. Und: Flash kann auch er nicht.

Die Suche nach dem Androide AppStore bleibt dann aber erfolglos. Und jetzt wird es wirklich kompliziert, denn es muss ein Firmware-Update installiert werden. Hier ist die Seite des amerikanischen E-Pad-Vertreibers (www.zenithink.us) hilfreich. Fummelig – aber erfolgreich.

Jetzt endlich zeigt das Epad, was es kann. Im Store habe ich gleich Angry Birds  herunter geladen – es ist sogar kostenlos. Und es funktioniert. – Vielleicht ein Tick weniger flüssig als die iPhone/iPad-Version – aber gut spielbar.

Auch andere Apps lassen sich problemlos installieren und verschaffen dem Nachahmungstäter einen enormen Nutzwert. Als Sofa-Internet-Tafel – oder um kurz Mails zu checken. Wunderbar!

Was nach einiger Zeit aber auch auffällt: Der Akku ist richtig schwach auf der Brust. Nach drei Stunden munteren Surfens zeigt er deutliche Schwäche, und man sollte sich um Stromversorgung kümmern.

Diese ist übrigens abenteuerlich. Ein Steckernetzteil mit einem fürchterlich wackeligen Adapter. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Auch der Standby-Modus ist erschreckend energiehungrig. Eine komplette Nacht überlebt das Tablett nicht, wenn man es nicht ganz ausschaltet.

Ein kleines Fazit: Das E-Pad ist billig, aber nicht wirklich günstig. Gemessen an dem Qualitätsvorsprung des iPad (und wohl auch des Galaxy-Tabs) ist der Preis allenfalls angemessen. Den Mehrpreis für das iPad spürt man in jeder Beziehung.

Trotzdem ist es ein vergnügliches Abenteuer und ein in gewisser Weise spielerische Einstieg in die Android-Welt. Kein iPad-Killer.

2 Antworten zu “Die Billig-Tablets kommen: Das Zenithink E-Pad

  1. Ich habe genau das gleiche gekauft und nach 4 Tage ein problem gehabt vielleicht kannst du mir weiter helfen also das bildschirm ist schwarz wenn ich ihn anmache und er bleibt fur immer schwarz man hort nur das geraeusch wenn man auf den bildschirm druckt hast du eine ahnung woran es liegt ???

    • Das klingt nicht gut… würde ich sofort zurückgeben / umtauschen. Vielleicht ist die Hintergrundbeleuchtung ausgefallen. Nutz die Gewährleistung..

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